Stimmen aus dem CLUB OF ROME

zum Earth Overshoot Day 

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1968 - mitten im Goldenen Zeitalter des Kapitalismus - war es ein Mann, den die Sorge um die Zukunft der Menschheit umtrieb: Aurelio Peccei. Seine Thesen erzeugten Resonanz und so traf sich eine Gruppe Gleichgesinnter mit Peccei in Rom.

Sie nannten sich The CLUB OF ROME und identifizierten das „fehlende Gefühl für die Verantwortung des Menschen“ als wesentliche Ursache für den „Irrweg der Menschheit“: "Die Grenzen des Wachstums" sollten ihr Instrument werden, um die Menschheit wachzurütteln. 

Heute erinnert uns der Earth Overshoot Day  jährlich daran, dass wir "Die Grenzen des Wachstums" überschritten haben. COVID-19 hat den ökologischen Fußabdruck der Menschheit jedoch etwas schrumpfen lassen und das Datum des Earth-Overshoot-Day um mehr als drei Wochen nach hinten verschoben – was seit Jahren nicht mehr geschehen ist. Die Herausforderung, unsere Wirtschaft wieder anzukurbeln, bietet Ländern eine einzigartige Chance, die Zukunft so zu gestalten, wie wir sie uns wünschen. Dazu hat der CLUB OF ROME seinen Planetary Emergency Plan überarbeitet.

Schauen Sie unten das Video zum Event oder lesen Sie verschiedene Perspektiven unserer Mitglieder zum Earth Overshoot Day.


 

Prof. Dr. Mojib Latif "Wir sehen heute, dass wir die Grenzen überschritten haben"
Monika Sebold-Bender
"Erfahrungen können uns helfen unsere Ressourcen bewusster einzusetzen"

"Der Earth Overshoot Day ist dieses Jahr ca 3 Wochen später als im Vorjahr - ein Nebeneffekt von Corona.
... aber immer noch zu früh. Wir leben über 4 Monate - ein Drittel des Jahres  - auf Pump und vernichten unsere Substanz. Keinem Wirtschaftsunternehmen würde Jahr für Jahr erlaubt werden, das vorhandene Kapital zu verbrauchen! Jedes Unternehmen würde zügig einer Rosskur unterzogen, um den Turnaround hin zu mindestens einer ausgeglichenen Bilanz zu erreichen.


Corona hat gezeigt, dass wir in der Lage sind, angesichts einer massiven Bedrohung der Menschheit die Handbremse anzuziehen. Klimawandel ist eine Corona mindestens ebenbürtige Bedrohung. Corona hat uns auch gezeigt, dass in Verzicht auch Gewinn liegen kann. Ich selbst habe gelernt, dass Flugreisen für ein kurzes Business Meeting überflüssig sind. Ich habe Zeit für mich gewonnen. Diese Erfahrungen können uns helfen unsere Ressourcen bewusster einzusetzen und hoffentlich den Turnaround für das Unternehmen „blauer Planet“ zügig hinzubekommen."

Prof. Dr. Franz Josef Radermacher
"Die Lage ist brandgefährlich"

"Wegen Corona liegt der Earth Overshoot Day dieses Jahr etwas später. Das ist nicht überraschend.

Jede Wirtschafskrise bedeutet weniger Ressourcenverbrauch und weniger CO2 Emissionen. Nichts hilft dem Klima so sehr wie Verarmung. Corona hat viele Menschen verarmt, insbesondere solche, die ohnehin schon eher schlecht gestellt waren. Das gilt für die Industrieländer, aber noch stärker im Nord-Süd-Kontext. Die größten Verlierer sind die ärmeren Länder. Ihre Legitimen Hoffnungen auf mehr Wohlstand werden nicht erfüllt – ganz im Gegenteil.

 

Grotesk wird es, wenn der gut situierte Teil der reichen Welt in all dem ein Zukunftsmodell erkennt. Das ist der Teil der Bevölkerung reicher Länder, der gut situiert mit sicherem Einkommen in komfortabler Umgebung eine Art „Corona- Ferien“ genießt und nun glaubt, ein „neuer Mensch“ würde mit einem neuen Lebensstil eine nachhaltige Entwicklung befördern, währen in den nächsten 30 Jahren die Menschheit um 30% wächst und die Staatengemeinschaft immer mehr durch Konflikt und nicht durch Kooperation geprägt ist.


Die aktuelle Lage ist brandgefährlich. Ohne kluge neue technische Lösungen und eine viel engere Nord-Süd Kooperation, z. B. im Umfeld von Desertec 2.0 und der Fokussierung von Nature-based Solutions zur Erzeugung von Negativ- Emissionen bei gleichzeitiger Forderung von Entwicklung (Agenda 2030), ist eine gute Perspektive für die Welt nicht in Sicht. Mit mehr Corona noch viel weniger."

Lesen Sie auch den Beitrag von Prof. Radermacher im "Kursbuch 202: Donner. Wetter. Klima"und als Empfehlung von Prof. Radermacher das neue Buch von Bundesminister Dr. Müller "UMDENKEN-Überlebensfragen der Menschheit"

Dr. Petra Künkel
"Das Lokale hat wieder eine Chance"

"Es gibt komplizierte Messdaten und Indikatoren, die wichtig sind, weil sie einfach zu verstehen sind. Dazu gehört der Earth Overshoot Day, der Tag, an dem wir rechnerisch die natürlichen Ressourcen für das Jahr 2020 verbraucht haben. Zwar ist dieser Tag dieses Jahr drei Wochen später als im vergangenen, aber dennoch ist er weit entfernt vom Jahresende – dort, wo er eigentlich sein sollte.

 

Die globale Pandemie, Covid-19, die uns immer noch zwingt, unsere Mobilität zu bremsen, hat dazu entscheidend beigetragen. Auf einmal hat das Lokale wieder eine Chance, auch und gerade für uns Global Citizens, die sich für eine Welt engagieren, die sozial gerecht ist - und in einem ökologischen Gleichgewicht. Genau da liegt der Schlüssel zu unserer Zukunft – die große Transformation, vor der wir weltweit stehen und die einen Geist der globalen Verantwortung benötigt, fängt lokal an und wird lokal verwirklicht.

 

Diese Erkenntnis ist Potential und Aufgabe zugleich: digital können wir uns nun besser vernetzen denn je, aber den Umbau müssen wir vor Ort, in unseren Institutionen und in Zusammenarbeit aller Akteure bewerkstelligen. Dennoch wissen wir, dass globale Strukturen die lokalen oder nationalen Transformationsprozesse befördern oder behindern. Auch das hat der Umgang mit Covid 19 ebenso wie die „Recovery-Strategien“ gezeigt: unsere ökonomischen Strukturen erzeugen Krisen, aber lösen sie nicht. Mehr denn je muss auf Platz 1 der Agenda der Umbau unserer ökonomischen Architektur stehen – hin zu einem System einer vollständig dekarbonisierten Wirtschaftweise, die das Wohl aller Menschen ebenso im Fokus hat wie das der Natur. Dies ist die Aufgabe der nächsten Jahrzehnte."

Dr. Daniel Dahm
"Wir, als Menschengemeinschaft, können anders und zwar sofort"

„Der Earth Overshoot-Day 2020 zeigt eine Trendumkehr - erstmalig seit Jahrzehnten fiel der „Erderschöpfungstag" nicht früher ins Jahr als bisher, sondern später als im Vorjahr. Ein wesentlicher Auslöser dafür ist der Angstschock um den neuen Corona-Virus, der unsere ökonomischen Metabolismen verlangsamte und so auch den Raubbau an den natürlichen Lebensgrundlagen. Die planetare Biokapazität wurde nicht so schnell verbraucht, unser ökologischer Fußabdruck wurde verringert, indem auf vieles Verzichtbare im 1. Halbjahr 2020 verzichtet wurde.

 

2020 zeigt: Wir, als Menschengemeinschaft, können anders und zwar sofort. Es gibt Alternativen zum Weiter-so und wir sind gesellschaftlich in der Lage von heute auf morgen unsere Alltagsgewohnheiten umzustellen. Vieles Überflüssige fällt leicht, wegzulassen. Und anderes, was uns bislang selbstverständlich erschien, rückte wieder in den Zentrum unserer Bedürfnisse und unseres Wohlstandsempfindens. Das Persönliche, das Lebensnahe, die Familie und Freunde, Nachbarn und der Kiez, die Stadtteile und Menschen, zwischen denen wir leben, erfahren eine Renaissance. Auf vieles „Haben“ können wir schnell verzichten, leichter, als wir dachten, doch das „Sein“, die Kommunikation, Fürsorge und Solidarität zwischen allen Mitgliedern unserer Gesellschaft tragen unser Miteinander.

 

Mehr als je in den Jahren zuvor zeigt uns der Earth Overshoot Day 2020, dass es höchste Zeit für eine wahre Transformation zu Nachhaltigkeit im Sinne von Zukunftsfähigkeit ist – und dass wir zusammen das schaffen können. Wir haben alle Möglichkeiten dazu, nun müssen wir nur noch den politischen Aufbruch in eine lebensdienliche Zukunft wagen."

Uli Mayer-Johanssen
"Wir müssen heute beantworten, wie die Welt morgen aussehen soll"

Coronabedingt bessert sich die Luft und die deutschen Klimaziele scheinen wieder erreichbar. Grund zu Hoffnung?
 
Corona scheint eine Erfahrung neu unter Beweis zu stellen. Nichts tun, um Natur und Umwelt Zeit und Raum zur Regenerierung zu geben scheint das effektivste Mittel zu sein. Das der Earth Overshoot Day zum ersten Mal wieder etwas später eingetreten ist, ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht: das wird nicht so bleiben. Nach wie vor ist die Externalisierung der Folgekosten an die Gemeinschaft legitimes Mittel, um weiterhin ungehindert Raubbau und Zerstörung der Ressourcen zu betreiben.
 
Nein, nichts tun ist ganz sicher nicht die Lösung. Wollen wir nicht in absehbarer Zeit mit noch viel größeren Katastrophen konfrontiert werden, müssen wir umdenken und uns von lieb gewonnenen Vorstellungen und alten Glaubensgrundsätzen verabschieden. Denn machen wir so weiter, kommen wir unweigerlich an den Point of no return und im Gegensatz zur Coronapandemie ist kein Impfstoff in Sicht. (Erderwärmung, Plastikmüll in den Weltmeeren, Grundwasserverschmutzung, Arten- Insekten- und Bienensterben etc.)
 
Was kann man daraus lernen?
 
1. Der Weg ins Verderben ist (bis jetzt) nicht unumkehrbar.
2. Gesellschaft, Politik und Industrie sind trotz aller Lippenbekenntnisse nicht vorbereitet auf entsprechende Änderungen in Produktion und Lebensstil.
3. Wir müssen heute beantworten, wie die Welt morgen aussehen soll.
 
Corona hat gezeigt, wie verwundbar wir sind und wie wenig vorbereitet. Dies ist vielleicht der nachhaltigste Effekt.

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker
"Alles nach dem Earth Overshoot Day ist Zerstörung"

Earth Overshoot Day 2020

Europäisches Launch Event des CLUB OF ROME

COVID-19 hat den ökologischen Fußabdruck der Menschheit schrumpfen lassen und das Datum des Earth-Overshoot-Day um mehr als drei Wochen nach hinten verschoben – was seit Jahren nicht mehr geschehen ist. Die Herausforderung, unsere Wirtschaft wieder anzukurbeln, bietet Ländern eine einzigartige Chance, die Zukunft so zu gestalten, wie wir sie uns wünschen. Gemeinsam mit dem Global Footprint Network organisierte der Club of Rome ein online-Event am 20. August 2020 und stellt in diesem Rahmen die überarbeitete Fassung des "Planetary Emergency Plan" vor.

Ist Nachhaltigkeit utopisch?

Der Bericht an den CLUB OF ROME

In seinem Bericht an den CLUB OF ROME analysiert Prof. Christian Berg die Barrieren für nachhaltiges Handeln und entwickelt Prinzipen für nachhaltiges Handeln. Schauen Sie die Vorstellung des Berichts und der wichtigsten Thesen.

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