​Mitglieder des CLUB OF ROME Deutschland über die

Ergebnisse der UN-Klimakonferenz COP 25  in Madrid

Vom 2. bis 15. Dezember 2019 fand die 25. Welt-Klimakonferenz in der spanischen Hauptstadt Madrid statt. Gleichzeitig war sie das 15. Treffen zum Kyoto-Protokoll. Die diesjährige Konferenz stand unter dem Motto „TiempoDeActuar“ - "Zeit zu handeln" und legte den Schwerpunkt mehr auf den bi- und multilateralen Austausch darüber, wie die jeweiligen Staaten ihre Klimaschutzpolitik verbessern können als auf die konkreten Verhandlungen über Regeln, wie es auf früheren Konferenzen der Fall war. 

 

Das Ergebnis der COP25 ist ernüchternd und wird in den Medien zum Teil als gescheiterte Konferenz beschrieben.

Was sind die Perspektiven und Schlüsse der Mitglieder der Deutschen Gesellschaft CLUB OF ROME auf die COP25 und das aktuelle Zeitgeschehen?

Bild: UNFCCC

Dr. Thomas Bruhn: "Ausdruck eines sterbenden Systems"

„Nach einer Woche in der absurden Maschinerie der COP habe ich Madrid mit tiefen Zweifeln und Erschöpfung verlassen. Zwei Herzen schlagen in meiner Brust:


1)    Vielleicht muss ich einsehen, was diese Art von Konferenzen letztlich ist: Der Ausdruck eines sterbenden Systems, das man vielleicht einfach sterben lassen sollte. Auf irgendeine Einigung von Regierungen zu warten, ist vielleicht nur verschenkte Liebesmüh und die vielen lebendigen Zellen der Klimaschutzbewegung werden sich auch anderweitig organisieren.


2)    Auf den politischen Prozess habe ich als Oberserver bei der COP ohnehin keinen Einfluss. Ich kann nichts anderes tun, als den verhandelnden Parteien zu vertrauen dass sie ihr Bestes tun und mich selbst auf das konzentrieren, was ich in meinem Umfeld beisteuern kann: Menschen und Akteure dabei begleiten, vom Wissen ins tun zu kommen. Und dafür ist das Setting der COP wirklich ein denkbar ungeeigneter Ort.“

Prof. Dr. Uwe Schneidewind: "Gerade jetzt engagiert weitermachen"

"Gerade in Phasen von zivilisatorischen Umbrüchen - und das steckt hinter der Visioin einer global gerechten Gesellschaft auf einem ökologisch begrenzten Welt - werden vor dem Durchbruch die Widerstände der vermeintlichen Verlierer besonders massiv. Daher sollte man die Ergebnisse von Madrid auch als Ermunterung nehmen, gerade jetzt engagiert weiter zu machen: politisch auf nationaler und europäischer Ebene, aber insbesondere mit der gesellschaftlichen Mobilisierung, wie sie durch Fridays4Future erfolgt. „Zukunftskunst“ ist getragen durch die Dankbarkeit, an einem nächsten Zivilisationssprung menschlicher Gesellschaft teilhaben zu dürfen. Und eine solche Motivation ist widerstandsfähig auch gegen äußere Rückschläge."

Prof. Dr. Mojib Latif: "Es braucht eine Allianz der Willigen"

"Nach einem Vierteljahrhundert zäher Verhandlungen steht man immer noch mit leeren Händen da. Von der Konferenz in Madrid geht ein Signal der Uneinigkeit aus. Ich wäre dafür, dass sich eine Allianz der Willigen bildet, aus Ländern, die beim Klimaschutz vorangehen wollen.

 

Lesen Sie mehr hierzu auf www.klimareporter.de.
 

Dr. Dirk Hamann: "offenkundig infantil"

„Die meisten Menschen - so auch die politisch Regierenden - benehmen sich offenkundig infantil, d.h. sie lernen meist nur, wenn sie persönlich die erste schmerzliche Erfahrung machen: Politiker, wenn sie nicht mehr gewählt werden (oder dies befürchten); Unternehmenslenker, wenn Umsätze und Profite wegbrechen (oder sie dies befürchten); Aktionäre, wenn dauerhaft Kursverluste eintreten (oder sie dies befürchten), Verbraucher, wenn etwas teurer wird (oder sie dies befürchten): Ergo: weiter und immer konzertierter und immer höheren öffentlichen Druck machen auf Politiker, auf Unternehmen, auf Aktionäre, auf Verbraucher: irgendwann greift es.“

Dr. Daniel Dahm: "Hier steigt ein Generationenkonflikt auf"

"Das beschämende Scheitern der COP25 ist symbolträchtig für die Krise unserer Zeit. Die alten Deutungen der Welt des 20. Jahrhunderts prallen auf eine junge und planetare Perspektive, die den Menschen als integralen Bestandteil im Lebenssystems Erde versteht, die auf Empathie und Gemeinschaftssinn setzt.

 

Auch wenn wir die Welt als flach wahrnehmen, menschlich begrenzt und klein, so kugelig und rund ist sie, alles ist in Verbindung und Bewegung. Und für die Älteren ist dies schwer zu erfassen. Hier steigt ein Generationenkonflikt auf, ähnlich wie Anfang des 20. Jahrhunderts, wo das grandiose Scheitern der imperialen Vergangenheit in ihrer destruktivsten und schrecklichsten Form nach dem 1. Weltkrieg auf die Hoffnung einer jungen Generation im Aufbruch traf. Damals wollten die Menschen sich einer neuen Zukunft zuwenden und mit aufklärerischen Gedanken eine neue Zeit in Freiheit und Gerechtigkeit einläuten. Und wieder scheiterten diese Hoffnungen an den alten machtförmigen Denkweisen und Relikten der Vergangenheit, die sie schliesslich in das Grauen des 2. Weltkrieges führten.

 

Nun, im jungen 21. Jahrhundert, führen uns die Politiker*innen unserer Welt weiter in den Zerstörungsprozess an unseren Lebensgrundlagen, ungebremst und auch durch uns legitimiert. Und wir werden uns alle fragen müssen, ob wir das zulassen können, dürfen und wollen. Während Fridays4Future und viele andere, Junge wie Alte, alleine den Machstrukturen und fossilen Denkweisen die Stirn bieten, liegt es heute in unser aller Verantwortung, die radikalste Kehrtwende unserer politischen und ökonomischen Praxis zu vollziehen, die die Menschheit je gesehen hat. Denn wir wissen, was geschieht und es ist an uns, eine lebensdienliche Zukunft zu ermöglichen und diese durchzusetzen. Das erfordert Mut zum Konflikt - mit unseren eigenen Bezugsgruppen, unseren Institutionen, unseren Kolleg*innen und in unserem eigenen Lebensweg."